Freitag 23. Juni 2017
Pfarre Kopfing

Der Rosenkranz

 

 Der Rosenkranz – ein Gebet 

   
1. „Verankert“ im dreifaltigen Gott: 

Der Rosenkranz ist von seiner Struktur her biblisch. Er ist kein magischer Zugriff auf Gott durch eine Gebetstechnik, sondern stellt uns durch seine 50 Ave-Maria einfach in die Situation des re- denden Gottes und antwortenden Menschen. Gott spricht: „Sei gegrüßt, Maria“. Die Antwort Mariens soll zu unserer Antwort werden. Im Rosenkranz lernen wir, den Ruf Gottes zu hören und anzunehmen, da uns dieses Gebet innerlich öffnet. „Rede Herr, Dein Diener hört“, haben die alttestamentlichen Propheten Gott geantwortet, wenn er offenbarend an sie herangetreten ist. Im Rosenkranz wiederholt der Beter dutzende Male den Engelsgruß an Maria: „Sei gegrüßt, Du Begnadete, der Herr ist mit Dir!“ Die Demut Gottes, die sich so tief neigt, und die Demut des Menschen begegnen sich hier. Das Resultat war der heilige Gott und der heilige Mensch in der Gestalt Jesu Christi, des Sohnes Got- tes und der Jungfrau Maria. In dieselbe Situation stellt sich der Rosenkranzbeter hinein: Er wir angesprochen und ist gehalten, durch sein Leben Gott zu antworten. 

 

2. Gibt meinem Leben einen Rhythmus: 

Beten ist immer ein geistiger Akt, Beten geschieht im Heiligen Geist und reißt deshalb die Be- wusstlosigkeit zwischen uns und dem ewigen Gott weg. Der Rosenkranz bietet als besondere Hilfe hierfür seine Rhythmik und seine Dauer: Seine Einfachheit, die sich mit einer Prägnanz in Bezug auf die betrachteten Geheimnisse paart. Beides ist auch möglich und von den geistlichen Lehrern erlaubt: Das Verharren beim Wort, das die Lippen sprechen; aber auch das Fliegen des Geistes, das Ausscheren der Gedanken – aller- dings nur hin zu den Geheimnissen der Erlösung, die man betrachtet. Wir dürfen und sollen also beim Rosenkranz unsere Fantasie anstrengen, dürfen und sollen uns ruhig bildlich die Lebensgeheimnisse Jesu vorstellen. Der Nebeneffekt des betrachtenden Rosen- kranzgebetes wird natürlich auch sein, dass er wesentlich spannender wird, weil das Auge des Herzens und des Geistes in ganz neue Welten eindringen wird. 

 

3. Auf mich „Zugeschnitten“: 

Der Rosenkranz ist ein schlichtes Gebet. Man braucht dazu weder eine theologische Fachausbil- dung noch eine spezielle charismatische Veranlagung, man braucht keine Redegewandtheit oder Formulierungskraft. Der Rosenkranz ist sowohl in seinem Aufbau als auch in seinem Inhalt ein schlichtes, einfaches, simples Gebet. Wer das Vaterunser, das Ave-Maria und das Ehre-sei-dem-Vater kennt, kann den Rosenkranz schon beten. Er ist ein Gebet für Kinder und für Menschen mit kindlichem Herzen. Viele Menschen, speziell junge Menschen, haben durch den Rosenkranz erst gelernt, was Beten ist: Ein kindliches Sprechen des Herzens mit Gott, ein unbefangenes Betrachten der Heilsgeheim- nisse Gottes. 

 

4. Verbindet mich mit Menschen in nah und fern: 

Der Rosenkranz ist aber nicht nur ein Geschenk der Liebe für die Gottesmutter, sondern auch ein Geschenk für jene Menschen, für die wir ihn beten. 
 
Eine gute Art, wie man den Rosenkranz lernen kann, ist zum Beispiel, bei jedem Ave-Maria an einen ande- ren Menschen zu denken und das Ave-Maria für ihn aufzuopfern: Da kann man im Geist jene Menschen, die einem am Herzen liegen, seine Familie, seine Nachbarn, seine Schulkameraden usw. an sich vorüber- ziehen lassen. Und zuletzt sei erwähnt, dass die Missionserfolge der Kirche bis zum heutigen Tag ohne Rosenkranz nicht vorstellbar und erklärbar wären. Das Rosenkranzgebet leistet zur Popularisierung des Glaubens einen wichtigen Beitrag: Es ist Gebet und doch zugleich beständige biblische Katechese. Eindrucksvoll etwa das Beispiel Japans, wo in einer 200-jährigen Verfolgungszeit keine Priester und Kate- cheten wirken durften. Als im Jahr 1865 wieder Missionare ins Land kamen, konnten sie es selbst nicht fassen, dort Katholiken anzutreffen, die religiös gebildet waren und als Erkennungszeichen den Rosen- kranz zu beten wussten.  Halten wir fest: Der Rosenkranz ist eine altehrwürdige kirchliche Gebetsform, die sich in der Kirche aus einer lan- gen Tradition des Psalmodierens und Betrachtens entwickelt hat, die von Millionen Christen praktiziert wird und vielen Menschen geistliche Kraft gibt.


Diese „geistliche Kraft“ in Ihrem Alltag wünscht Ihnen 

Ihr Pfarradministrator Karl Burgstaller

 

Pfarrer Karl Burgstaller

Pfarrbrief Oktober 2014

 



 

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