Samstag 24. Juni 2017
Pfarre Kopfing

2 0 1 5 Vor 100 Jahren in der Pfarre Kopfing …….

 

 

Vor 100 Jahren in der Pfarre Kopfing ……. 

 

im vergangenen Jahr gab es viele Veranstaltungen und Gedenkfeiern anlässlich des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs 1914.  In Oberösterreich (wie auch im Rest der damaligen Monarchie) stellte sich die katholische Kirche voll hinter die politischen Entscheidungen nach dem Attentat von Sarajewo. Diese Entwicklung führte  geradewegs in den Ersten Weltkrieg.

Auch der damalige Linzer Bischof Rudolf Hittmair stimmte in die allgemeine Kriegsbegeisterung ein: „Mit jubelnder Begeisterung hat ganz Österreich erfüllt das entscheidende Wort: Es ist Krieg!“ (Zitat von Bischof Hittmair)

Dies entsprach im Großen und Ganzen der herrschenden Stimmung im damaligen Kronland.  Trotzdem gab es Menschen, die nicht von dieser allgemeinen Kriegsbegeisterung erfasst wurden und auch den Mut hatten, dies zu äußern.

Darunter zählte auch der damalige Pfarrer von Kopfing Johann Klimesch (Pfarrer in Kopfing von 1910 – 1936). Klimesch war ein gebürtiger Tscheche, gebürtig aus Brloh (Berlau) in der Diözese Budweis. 

Zu Kriegsbeginn 1914 fand er das Ultimatum an Serbien als zu weitgreifend und war der Meinung, man sollte nicht (nach Serbien) hinuntergehen. Dies rief einen Sturm der Entrüstung hervor.

Selbst die Gendarmarie ermittelte und die Diözese Linz beauftragte den Dechant von Andorf, Anton Nöbauer in Kopfing einmal nachzuschauen und zu ermitteln. Pfarrer Klimesch wurde gewarnt, in Zukunft von solch „unklugen“ Worten Abstand zu nehmen.

 

Gleichzeitig stellte der Dechant fest, dass am Sonntag, der dem Kaisergeburtstag (18. August) folgte, und an dem traditionellerweise dieses Ereignis gefeiert wurde, das ganze Dorf beflaggt war, nur nicht die Kirche und der Pfarrhof. Dies wurde von der Bevölkerung „übel bemerkt“. Pfarrer Klimesch wurde als „serbenfreundlich“ eingestuft. Gerade Tschechen gegenüber war man besonders misstrauisch, galten diese ja damals für viele als nicht kaisertreu. 

Die Sache eskalierte weiter und am Karfreitag 1915 wurde Klimesch verhaftet und ins Garnisonsgericht (Kriegsgericht) Linz überstellt.

Zuständig war in dieser Angelegenheit das kaiserlich-königliche Militärkommando Innsbruck.

Eine militärische Untersuchungskommission weilte vom 15. – 18. April 1915 in Kopfing um Einvernahmen durchzuführen, unter anderem auch bei Schulkindern.

Pfarrer Klimesch wurden die Delikte „Majestätsbeleidigung" und "Störung der öffentlichen Ruhe" zur Last gelegt.

Als Strafe für diese „Verbrechen“ war schwerer Kerker bis zu fünf Jahren vorgesehen (Militärstrafprozessordnung aus dem Jahre 1913). Eine weitere völlig absurde Unterstellung lautete, seine Mutter sei Serbin.

 

Selbst der damalige Landeshauptmann von Oberösterreich Johann Nep. Hauser schaltete sich ein. Die Verhaftung eines katholischen Pfarrers beschäftigte damals auch zahlreiche Medien. 

Nach einigen Wochen wurde Klimesch wieder enthaftet und kehrte nach Kopfing zurück, wo ihn ein Großteil der Bevölkerung Willkommen hieß.

Aber bereits bei seiner Rückkehr kam es erneut zu Anschuldigungen, worauf sich wieder Landeshauptmann Hauser (ein gebürtiger Kopfinger) in die Angelegenheit einschaltete. Allerdings dürfte den damaligen zuständigen kirchlichen und staatlichen Stellen die Causa bereits unangenehm gewesen sein und die Sache wurde beendet.

Klimesch behielt seine kriegskritische Haltung weiter bei. Dies geht aus der von ihm verfassten Eintragungen in die Pfarrchronik während der Kriegsjahre 1914 – 1918 hervor. 

Als im März 1938 Österreich von der deutschen Wehrmacht besetzt wurde und am 13. März 1938 an HitlerDeutschland angegliedert wurde, ahnte Klimesch bereits das neue Unheil. Noch am selben Tag stellte er einen Antrag auf Ausreise in die Tschechoslowakei, um bei seinem Bruder auf dem sogenannten Fischerhof, der ursprünglich zum Stift Hohenfurt gehörte, zu wohnen. Nachdem aber in der Folge auch das Sudetenland und später das restliche Tschechien von der deutschen Wehrmacht besetzt wurden, kam es nicht mehr dazu.

Am 18. Juni 1948 verstarb Klimesch in Wels und wurde dort bestattet.  Pfarrer Klimesch ist bis jetzt der einzig bekannte Priester, der vor 100 Jahren das kommende Unheil ahnte und darüber öffentlich sprach.

Indirekt hat er damit auch seinem Bischof widersprochen. 

Heuer jährt sich seine spektakuläre Verhaftung nach dem Karfreitagsgottesdienst am2. April 1915, an dem er nicht einmal mehr das Allerheiligste in den Tabernakel einsetzen durfte […]

und wie ein Verbrecher nach Andorf geführt wurde. Nachdem in Andorf um Assistenz gebeten wurde, wurde er zwischen zwei Gendarmen durch den Ort zum Bahnhof gebracht. (Pfarrchronik Kopfing).

(Der Karfreitag 1915 war der 2. April, heuer ist der 2. April der Gründonnerstag.)  Nachträglich wissen wir über den Verlauf der Geschichte genau Bescheid, sehen die Vorahnungen von Pfarrer Klimesch bestätigt und müssen seiner Zivilcourage Respekt zollen. Dieser Priester ist darüber hinaus wegen seiner Herkunft und Geschichte ein gemeinsames Stück „historisches Erbe“ von Südböhmen und Oberösterreich.  

 

Kons. Klaffenböck Johann, Voglgrub


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